Strong girl

Bist Du auch ein Scharlatan?

Du meisterst mit Bravour Deinen Job, den Haushalt und die Familie und stehst mit beiden Beinen im Leben. Deine Schul- und Berufsausbildung hast Du entspannt absolviert, gerne an Weiterbildungen teilgenommen und Dir eine durchaus respektable Position im Unternehmen erarbeitet. Eigentlich könnte alles toll sein und Du mit Recht stolz auf Deine Leistung, oder?

Wenn da nur nicht dieser nagende Zweifel wäre! Kann ich das wirklich so gut, wie andere von mir denken oder es sogar erwarten? Ist meine Präsentation so präzise auf den Punkt, wie es der Chef will? Kann ich dem Meeting auch in Englisch folgen? Sind meine Excel-Tabellen auch alle richtig? Habe ich das Potential meiner Kunden richtig eingeschätzt?

Das Scharlatan-Syndrom

Die Hamburger Psychologin Eva Wlodarek nennt das das Scharlatan-Syndrom. Man hat zwar eine Menge vorzuweisen, glaubt allerdings ständig, das Erreichte gar nicht verdient zu haben. Nach dem Motto „hoffentlich merkt keiner, was für ein looser ich in Wirklichkeit bin. Im Gegensatz zu einem wirklichen Scharlatan, der Fähigkeiten und Wissen sein Eigen nennt, ohne dass das der Fall ist, leidet beim Scharlatan-Syndrom die Person unter dem Gefühl, andere zu täuschen. Da ist ständig das Gefühl, nicht alles gut genug oder zumindest so gut wie die anderen zu können. Er bzw. sie redet sich ständig klein und befürchtet, andere zu betrügen durch Vortäuschen falscher Tatsachen.

Vom Perfektionismus und unserem inneren Kritiker

Wir Frauen verlangen zu oft Bestleistung von uns und das womöglich in jedem Bereich! Viele von uns haben einen sehr ausgeprägten inneren Kritiker. Und dabei geht es nicht darum, als Berufsanfänger oder bei etwas völlig Neuem eine durchaus verständliche Unsicherheit zu zeigen. Das Scharlatan-Syndrom findet man umso mehr bei gut ausgebildeten, erfahrenen und erfolgreichen Menschen.
Zugegeben, auch Männer befällt dieses Syndrom, allerdings seltener als Frauen. Das ist dann der Typ Mann, der durch besonders herausgestellte Coolness und Forschheit das ganze eher kompensiert, auch wenn er sich innerlich vielleicht unsicher fühlt.

Was also hilft?

Der Aufstieg auf der Karriere- und Erfolgsleiter alleine hilft da wenig. Im Gegenteil, er mag noch das Gefühl verstärken, dass man den Erfolg zu Unrecht hat und sich alle anderen täuschen müssen. Was kann man also tun?
Meist rührt dieser Mangel an Selbstvertrauen aus Erfahrungen unserer Kindheit her. Wir haben (vielleicht unbedacht geäußerte) Bemerkungen von nahen Bezugspersonen tief in uns verankert, die heute überhaupt nicht mehr stimmen müssen.
Es kann überaus hilfreich sein, sich dieser alten Muster erst einmal wieder bewusst zu werden und sich zu überlegen, ob man nicht schon längst bewiesen hat, dass das so gar nicht mehr der Realität entspricht. Sich sein Leben lang auf Erlebnisse in der Kindheit und das Vergangene zu berufen, kann und darf auf Dauer keine Entschuldigung sein, die eigenen Chancen im Leben zu vergeben und Zeit und Energie dafür herzugeben, sich auf seine eigenen vermeintlichen Mängel zu konzentrieren. Irgendwann ist der Zeitpunkt zu kommen, sich die „Klein-Mädchen-Schuhe“ abzustreifen und Mut zum „Risiko“ zu beweisen!

Hilfreich kann es ebenso sein, sich ein qualifiziertes Feedback einzuholen und dann auch der Meinung der anderen (geschätzten) Person einfach mal zu vertrauen! Schließlich schätzen wir diese Person und wissen, dass sie sich so maßgeblich nicht irren kann!
Und wenn dann weiterhin der eigene Perfektionismus im Wege steht, dann halte es mit dem Pareto-Prinzip und der 80/20 Regel und mache Dir den folgenden Spruch zu Eigen: Gut ist gut genug!

Zusammengefasst

Uns allen kann es hin und wieder so gehen, wie beim Scharlatan-Syndrom beschrieben. Das Gute ist, dass es nie zu spät ist, etwas zu verändern! Es gibt also keinen Grund, weiterhin an Dir und Deinen Leistungen zu zweifeln.
Hier ein Buchtipp: „Selbstvertrauen stärken und ausstrahlen“ von Eva Wlodarek.

Über Nicole Läbe

Jede Frau hat enorm viele Potentiale und Fähigkeiten in sich. Mein Wunsch und Ziel ist es, dass Sie wieder mehr Zugang zu den vorhandenen Potentialen erlangen und diese Schritt für Schritt entwickeln können, hin zu einem erfolgreichen, erfüllten und authentischen Leben, sowohl beruflich als auch privat!

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2 Kommentare

  1. Gute Frage. Erst dachte ich “Neee, kenn ich nicht”. Dann hab ich mal weiter überlegt und bin auf Zweifel gestoßen, die – wenn auch geringer als früher – noch vereinzelt vorhanden sind.
    Sich zu hinterfragen finde ich nicht verkehrt. Im Gegenteil. Aber eben mehr im Sinne von Bilanz ziehen und dann konkrete Maßnahmen definieren.
    Wir verändern uns ja weiter. Dementsprechend ist das, was wir mal erreicht haben, teilweise überholt. Aber für mich geht es darum, eine Stufe zu erreichen und hier Selbstvertrauen zu haben mit “Gut ist gut genug”.

    • Ja, ich denke auch, dass besonders die Einstellung “gut ist gut genug” sehr hilfreich ist. Oft verdrängen wir ja die Dinge, die wir schon gut können, weil wir sie für so normal halten. Und dann bleibt man im Teufelskreis. Vorher die Bremse ziehen und aus dem Perfektionismus aussteigen kann sehr hilfreich sein.

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